Empathie und erfolgreich Führen
Wissenschaftlich bewiesen: Empathie als Erfolgsfaktor
Ich höre das Buch von Brené Brown „Dare to lead“ und bin begeistert. Endlich mal eine Wissenschafterlin, welche mit zahlreichen, weltweit durchgeführten Studien zum Thema effektives, erfolgreiches Führen klar macht: sogenannte Soft-Skills, wie Verletzlichkeit zeigen/ sehen, Empathiefähigkeit, Kommunikationsskilss, etc. sind keine Soft-Skills! Über sie zu verfügen oder nicht ist entscheidend dafür, ob wir mutig und erfolgreich in Führung gehen können. Das gilt sowohl für den Unternehmenskontext, als auch für das Militär, die Familie oder in politischen Organisationen.
Erfolgreich und mutig führen - so ihre zentrale These - geht nur, wenn wir (und im besonderen Führungskräfte) mit unserer Verletzlichkeit als Menschen (“people, people, people - we all are!”) einen bejahenden, kompetenten und entsprechend dem Kontext angemessen dosierten aber transparenten Umgang finden. Dafür brauchen wir Empathie - für uns und unser Gegenüber.
Empathie als Vehikel zur Mulitperspektivität:
In meinen GFK Trainings (die letzlich nichts anderes sind als Empathietrainings) sage ich oft: Wenn wir lernen Empathisch zu sein, dann werden wir auch weiser, weil wir mehr über die Welt erfahren, das ist wunderschön und lohnt sich. Empathie und Weisheit hängen meiner Meinung nachunmittelbar zusammen. Wahrscheinlich kann man ohne Empathie gar nicht weise werden.
Brown macht einen ähnlichen Punkt - jedoch weitaus fundierter (weil ihre Studien auf hunderten Interviews mit Führungskräften basieren): Unsere Sicht auf die Welt ist völlig einzigartig, weil unsere Sicht der Welt ein Produkt unserer Geschichte und unserer Erfahrungen ist (das ist in der Postmoderne eine ja weit verbreitete Erkenntnis). Sie nennt das unsere persönliche Linse. Wir schauen auf die Welt durch diese Linse. Sehen nie die ganze Wirklichkeit sondern stehts nur unsere Interpretation derselben. Aus diesem Grund können zehn Personen denselben Vorfall miterleben und zehn Ansichten darüber haben, was passiert ist, wie es passiert ist und warum es passiert ist. Gibt es Fakten, objektive Wirklichkeit, etc.? Ja! Die Welt der Mathematik und Wissenschaft hat uns hiervon viele Beispiele gezeigt. (wobei man ja auch sogar darüber streiten kann, aber so weit erstmal). Aber wenn es um die Welt der menschlichen Emotionen, des Verhaltens, der Sprache und der Kognition geht, gibt es viele gültige Perspektiven.
Kann ich die Perspektive eines anderen vollkommen nachvollziehen? Nein. Ich bin ein Stück weit gebunden an meine Linse. Empathie reicht nicht so weit, dass ich genau das gleiche erfahre wie der andere. Empathie hilft mir aber dabei eine Ahnung davon zu bekommen, dass diese andere Wahrheit ein genauso relevantes Mosaikstück der komplexen Wirklichkeit ist, wie die meine. Mit Hilfe der Empathie kann ich also dahin kommen, diese andere Wahrheit/ Perspektive als genauso gültig wie meine eigene zu betrachten, reinzunehmen, selbst dann, wenn sie mir von meinen Werten her nicht passt und anders ist als meine.
Mulitperspektivität - besonders schwer für Menschen mit priviligierten Perspektiven:
Die Perspektive anderer reinzunehmen und gelten zu lassen, ist vor allem dann schwierig, wenn ich eine Perspektive habe, die als herrschende Perspektive gilt und ich außerdem mein Leben lang gelernt habe, dass meine Perspektive die “default perspective” ist, d.h. die allgemein gültige. Wenn ich über die Dysfujnktionalität eines monoperspektivischen Zugangs zur Welt eine Einsicht habe, kann ich meine Empathiefähigkeit wieder trainieren (das ist letzlich auch nur ein Muskel, siehe die Studien von Tanja Singer) und im Ergebnis zu einer multiperspektivischen Sicht auf die Dinge kommen.
Wenn Menschen in mächtigen Positionen weiterhin nur Menschen wie sie selbst einstellen und besetzen (sie sehen aus wie sie, klingen wie sie, kommen aus der gleichen Nachbarschaft wie sie), werden sie niemals ein größeres Verständnis für Erfahrungen haben, die sich von ihren eigenen unterscheiden. [...] und wir werden alle verlieren. Viele Studien, die Brown zitiert, zeigen eine positive Korrelation zwischen Inklusivität, Innovation und Leistung im Unternehmenskontex. Wie kommt das? Empahtie und das integrale Bild der Welt:
Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Sicht der Wirklichkeit nur ein Ausschnitt ist und die komplexe Wirklichkeit niemals aus nur einer Perspektive erfasst werden kann, macht das Sinn. Nur wenn unterschiedliche Perspektiven einbezogen, respektiert und wertgeschätzt werden, können wir anfangen, uns ein ganzheitliches Bild von der Welt zu machen. Wem wir dienen, was sie brauchen und wie man Menschen dort erfolgreich abholt, wo sie sind. Und wodurch können wir das - unterschiedliche Perspektiven hören, einbeziehen, wertschätzen: durch Empathie!